Nachhaltig denken – die neue Kläranlage fit für die Zukunft machen
In der letzten Sitzung des Abwasserzweckverbands wurde die Vorplanung für die neue Kläranlage im Schwarzacher Becken vorgestellt. Die Modernisierung der Anlage ist ein wichtiges Infrastrukturprojekt für unsere Region. Gleichzeitig bietet sie die Chance, heute die richtigen Entscheidungen für die kommenden Jahrzehnte zu treffen.
Unsere Verbands- und Gemeinderätin hat deshalb einige Punkte kritisch hinterfragt und konkrete Vorschläge eingebracht, wie die neue Kläranlage nachhaltiger, wirtschaftlicher und unabhängiger gestaltet werden kann.
Energieversorgung zukunftssicher gestalten
Kläranlagen gehören zu den energieintensivsten kommunalen Einrichtungen. Deshalb sollte der Neu- und Umbau aus unserer Sicht von Anfang an darauf ausgerichtet werden, die Anlage möglichst energieautark und klimaneutral zu betreiben.
Eine weitgehend unabhängige Energieversorgung stärkt nicht nur die Versorgungssicherheit einer kritischen Infrastruktur, sondern reduziert langfristig auch die Betriebs- und Folgekosten. Investitionen in nachhaltige Energiekonzepte kommen letztlich den Bürgerinnen und Bürgern zugute.
Erdgas: Eine Lösung von gestern?
Im aktuellen Planungskonzept wird die Nutzung von Erdgas als Energiequelle geprüft. Dafür wäre entweder der Bau einer Gasleitung zur Kläranlage oder die Anschaffung eines Gastanks erforderlich.
Wir halten diesen Ansatz für kritisch. Der Neubau einer Anlage, die langfristig auf fossile Energieträger angewiesen ist, erscheint angesichts der aktuellen energie- und klimapolitischen Entwicklungen nicht mehr zeitgemäß. Neben den CO₂-Emissionen sprechen auch wirtschaftliche Gründe dagegen: Die Kosten für Erdgas unterliegen erheblichen Schwankungen und werden durch politische Vorgaben sowie die absehbar sinkende Zahl von Gaskunden voraussichtlich weiter steigen.
Diese Mehrkosten würden langfristig die Gebührenzahler belasten. Aus unserer Sicht sollte daher bereits heute auf Technologien gesetzt werden, die dauerhaft unabhängig von fossilen Energieträgern funktionieren.
Photovoltaik und Stromspeicher konsequent nutzen
In den Planungsunterlagen ist zwar eine Photovoltaikanlage vorgesehen, deren Umfang steht jedoch noch nicht fest. Die neuen, nach Süden ausgerichteten Gebäude bieten auf Dächern und Fassaden großes Potenzial für die Erzeugung von Solarstrom.
Ein Stromspeicher ist derzeit nicht vorgesehen. Gerade dieser wäre jedoch ein wichtiger Baustein für eine möglichst hohe Eigenversorgung und Versorgungssicherheit. Er könnte überschüssigen Solarstrom speichern und bei Bedarf zur Verfügung stellen – insbesondere auch in Krisen- oder Notfallsituationen.
Wärmerückgewinnung aus Abwasser prüfen
Ein weiterer bislang nicht berücksichtigter Ansatz ist die Nutzung der im Abwasser enthaltenen Wärme. Das Abwasser erreicht im Jahresdurchschnitt Temperaturen von etwa 16 Grad Celsius, in den Sommermonaten sogar bis zu 20 Grad.
Moderne Systeme ermöglichen es, diese Energie zur Wärmeversorgung oder in Kombination mit Wärmepumpentechnik nutzbar zu machen. Damit ließe sich der externe Energiebedarf der Kläranlage weiter reduzieren und die energetische Unabhängigkeit stärken.
Nachhaltigkeit spart langfristig Geld
Wir sind überzeugt, dass bei einem Projekt dieser Größenordnung nicht nur die Investitionskosten betrachtet werden dürfen. Entscheidend sind die Gesamtkosten über die gesamte Lebensdauer der Anlage hinweg.
Deshalb setzen wir uns für eine Planung ein, die ökologische Verantwortung, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Vernunft miteinander verbindet. Wer heute konsequent auf erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Eigenversorgung setzt, schafft eine moderne Infrastruktur, die langfristig sowohl die Umwelt als auch die Gebührenzahler entlastet.
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