Nachlese zum Vortrag „Starkregen ….“

Peter Laumer hielt einen sehr interessanten Vortrag mit viel Detailwissen und ging auch auf den letzten Starkregen am 2.Mai 2024 in Schwarzach ein.
Warum Schwarzach 2021 und auch in Zukunft so stark Hochwasser gefährdet ist hat mehrere Gründe: 

  1. Das Einzugsgebiet der 3 Bäche Schwarzach, Castellbach und Silberbach umfasst ein breites Einzugsgebiet von 270 km2. Diese topographische Lage begünstigt es, dass innerhalb kurzer Zeit der Pegel der Bäche exorbitant ansteigen.
  2. Der Landkreis Kitzingen umfasst ca. 80% forst- und landwirtschaftliche Flächen. Ein Großteil des Regens fällt also auf offene Flächen, auf denen Versickerung eigentlich möglich sein solle.
    Doch durch die immer schweren Traktoren und Mähdrescher wird eine enorme Bodenverdichtung in ca 30 cm Bodentiefe erreicht. In dieser Tiefe wird quasi eine wasserundurchlässige Schicht geschaffen, in die das Wasser nicht eindringen kann und dann auf dieser Schicht seitlich abfließt und in den Entwässerungsgräben ankommt 
  3. In den letzten 70 Jahren wurde vor allem versucht das Wasser aus dem Acker zu bekommen, damit Traktoren darüber fahren können. Es wurden Entwässerungsgräben in den Äckern angelegt und links und. Rechts von Feldwegen. Dies rächt sich jetzt. Einmal durch Hochwasser bei Starkregen als auch bei Dürre wo die Pflanzen verdursten.
    Durch diese Entwässerungsgräben fließt das Wasser wie auf einer Autobahn schnell in den nächsten Bach und verursacht damit den schnellen Anstieg des Pegels. Ein langsameres Abfließen könnte die Spitzen der Hochwasser reduzieren.
  4. Die Bäche Schwarzach, Castellbach und Silberbach sind in ihrem Bachbett eingezwängt und können sich nicht in die Fläche ausbreiten. Es fehlen Überschwemmungsmöglichkeiten wo das Wasser sich auf eine größere Fläche ausdehnt und an Geschwindigkeit verliert.

Welche Möglichkeiten gibt es diese Probleme zu entschärfen ?

Das Wasser darf nicht so schnell abfließen. Niederschwellige Maßnahmen sind z.B. die Entwässerugsgräben alle 100m aufzustauen und damit zu verlangsamen und dem Wasser mehr Zeit zum versickern geben.
Agroforst ist eine weitere Maßnahme. Es werden Hecken oder Baumreihen in Abständen in die Äcker eingezogen. Damit hat man hier immer Bewuchs welcher das Wasser zurückhält und die Verdunstung im Sommer wird reduziert. Die Baumreihen können auch nachwachsende Bäume sein, die man alle 7 Jahre erntet. So hat der Landwirt einen finanziellen Rückfluss. Förderung von der EU gibt es für solche Maßnahmen ebenso.

Größere Maßnahmen sind dann etwas was unter dem Begriff „Keylign Design“ in letzter Zeit in der Fachwelt aufkommt. Die Bewirtschaftung orientiert sich an der gegebenen Topographie des Geländes. Ziel ist es, das Wasser lange im Gelände zu halten. An Schlüsselpunkten die sich in den Übergangsbereichen zwischen Hügel und Täler befinden werden Keylines erstellt an denen entlang das Wasser geführt wird.
Diese Maßnahme wurde nur kurz angeschnitten und der interessierte Leser kann sich im Internet unter dem Suchbegriff „Keyline Design“ weitere Informationen beschaffen. Hier eine Website mit Infos : https://texas-bioenergie.de/blogs/texas-blog/keyline-design

Maßnahmen wie Rückhaltebecken sind sicher auch nützlich, aber deren Wirkung auf ein Hochwasser durch Starkregen wird überschätzt. So wurden beim 2021 Hochwasser in Schwarzach eine Wassermenge von 85mpro Sekunde gemessen. Ein Rückhaltebecken mit 3680m3 würde in 44 Sekunden volllaufen. Solche Bauwerke kosten leicht 2-stellige Millionenbeträge und bringen nicht so viel, wie wenn die Landschaft anders gestaltet wird.
Man könnte auch den Bächen noch links und rechst ihres Laufes Stauräume zur Verfügung stellen, um bei Hochwasser sich auszubreiten und damit den Peak des Hochwassers zu reduzieren. Diese Maßnahme dürfte die schwierigste durchzusetzende Maßnahme sein. Wäre aber auch eine sehr effektive um das Wasserrückhaltevermögen unserer Landschaft zu erhöhen.

Es gibt Initiativen die diese Ideen verfolgen. Es sind z.B Boden:ständig und  Zukunft Landwirtschaft. Langsam werden diese Initiativen anerkannt. Etliche erhalten Staatspreise.

Wie geht es in Schwarzach weiter?

Für die aktuelle Lage in Schwarzach ist geplant mehrere Rückhaltebecken an den Oberläufen der Zuflüsse zu errichten. Allerdings ist deren Umsetzung nicht einfach, da einmal die Kosten für diese kleineren Becken zwischen 0,5 Mio und 2,7 Mio betragen und dieses Geld muss von den Gemeinden, die selbst gar nicht so stark von dem Hochwasser betroffen sind,  aufgebracht werden und im laufenden Haushalt eingeplant werden.

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