{"id":542,"date":"2022-11-21T19:46:48","date_gmt":"2022-11-21T19:46:48","guid":{"rendered":"http:\/\/gruene-dettelbach.de\/?p=542"},"modified":"2022-11-24T09:41:38","modified_gmt":"2022-11-24T09:41:38","slug":"wer-im-glashaus-sitzt-sollte-nicht-mit-steinen-werfen-eine-stellungnahme-zum-antrag-von-cdu-afd-im-landtag-von-thueringen-zum-verbot-von-gendersprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruene-dettelbach-schwarzach.de\/?p=542","title":{"rendered":"Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen &#8211; Eine Stellungnahme zum Antrag von CDU\/AfD im Landtag von Th\u00fcringen zum Verbot von &#8222;Gendersprache&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>\u201eGendern? Nein Danke!\u201c \u2013 unter dieser \u00dcberschrift stimmte der Th\u00fcringer Landtag Mitte November mit einer Mehrheit aus CDU, AfD und den \u201eB\u00fcrgern f\u00fcr Th\u00fcringen\u201c f\u00fcr einen Antrag der th\u00fcringischen CDU-Fraktion. In diesem Antrag wurde Landtagspr\u00e4sidentin Birgit Pommer (DIE LINKE) gebeten, daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass in \u00f6ffentlichen Dokumenten \u201ekeine grammatisch falsche Gendersprache\u201c verwendet wird. Verantwortlich f\u00fcr die Regeln der deutschen Sprache sei \u201eausschlie\u00dflich der Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung\u201c, so die CDU-Fraktion in ihrem Antrag, und dieser habe verk\u00fcrzte Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen nicht zur Aufnahme in das Regelwerk der deutschen Sprache empfohlen. Mit dem \u201eZwang zur gegenderten Sprache\u201c grenze man au\u00dferdem Menschen, die nicht richtig lesen k\u00f6nnen, genauso aus wie integrationswillige Migranten, Menschen mit Seh- oder H\u00f6rbehinderung sowie alle, die auf \u201eLeichte Sprache\u201c angewiesen seien.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLebendige Sprache zeichnet sich durch [\u2026] einer (sic!) gesellschaftlichen Akzeptanz Ihrer Regeln aus\u201c, ist in dem Dokument zu lesen. Dass die CDU just in jenem Antrag, der die Einhaltung der deutschen Grammatik zum Inhalt hat, f\u00e4lschlicherweise den Dativ statt des Akkusativs verwendet, ist dabei nur ein am\u00fcsantes Detail am Rande. Weitaus skurriler erscheint es, dass die rechten Parteien im Th\u00fcringer Landtag ausgerechnet beim Thema \u201eGendern\u201c ihr Herz f\u00fcr Migranten und Menschen mit Behinderung entdeckt haben wollen. Just beim Antrag der CDU f\u00e4llt die Lesbarkeit mit einem Lesbarkeitsindex LIX von 67.12 jedoch extrem schlecht aus, obwohl hier gar keine verk\u00fcrzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Ausdr\u00fccke (also z. B. \u201eGender-Stern\u201c oder \u201eGender-Gap\u201c) verwendet wurden. Der Gender-Doppelpunkt h\u00e4tte bei einer solch schwer lesbaren Sprache also das Kraut ganz sicher nicht mehr fett gemacht. Die Sorge um die Verst\u00e4ndlichkeit der Sprache scheint also bei der th\u00fcringischen CDU an den eigenen geistigen Erg\u00fcssen Halt zu machen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Auch an anderer Stelle scheinen die Christdemokraten die Regeln, auf deren Einhaltung sie im Antrag so streng pochen, f\u00fcr sich selbst nicht ganz so eng zu interpretieren. So fordern sie beispielsweise einen \u201eentspannteren Umgang\u201c mit der Verwendung des generischen Maskulinums. Dabei hat der Rat f\u00fcr deutsche Rechtschreibung, auf den sich der Antrag als alleinige Instanz zur Formulierung der deutschen Rechtschreibregeln beruft, in seiner Empfehlung vom M\u00e4rz 2021 explizit betont, dass \u201eallen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache begegnet werden soll\u201c. Lediglich die verk\u00fcrzten Formen wie \u201eGender-Stern\u201c oder \u201eGender-Gap\u201c hat der Rat aktuell (noch) nicht zur Aufnahme in das amtliche Regelwerk empfohlen. Wissenschaftlich ist es extrem gut belegt, dass das generische Maskulinum gerade nicht den Anforderungen des Rechtschreibrats nach geschlechtergerechter Sprache gen\u00fcgt. So publizierte der renommierte Kognitionsforscher Prof. Dr. Tobias Richter, Lehrstuhlinhaber an der Uni W\u00fcrzburg, erst letztes Jahr zusammen mit Wissenschaftlerinnen der Uni Darmstadt <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1525\/collabra.32964\">eine Studie, in der nachgewiesen wurde, dass Frauen bei Verwendung des generischen Maskulinums eben doch bedeutsam weniger \u201emitgedacht\u201c werden als M\u00e4nner<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das, was uns Gr\u00fcne von der anderen Seite des politischen Spektrums unterscheidet, ist nicht etwa der Umstand, dass wir andere Menschen zu einer bestimmten Ausgestaltung der Sprache zwingen wollen, es ist vielmehr der Umstand, dass wir selbst mit unserer Sprache auf benachteiligte Gruppen R\u00fccksicht nehmen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/gruene-dettelbach.de\/?attachment_id=551\">Stellungnahme zum Antrag von CDU\/AfD im Landtag von Th\u00fcringen zum Verbot von &#8222;Gendersprache&#8220;, Pressemitteilung vom 21.11.2022<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eGendern? 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